Biosphärenreservatsidee

Der Begriff Biosphärenreservat setzt sich zusammen aus Biosphäre (= Lebensraum) und Reservat (= bewahren). In Biosphärenreservaten geht es nicht darum Vorhandenes zu konservieren, sondern darum, zu zeigen, wie der Mensch die Natur nutzen kann, ohne sie zu zerstören.

Das 461 km2 große UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V liegt unweit der Elbmetropole Hamburg zwischen den kleinen Hafenstädten Boizenburg im Norden und Dömitz im Süden. Neben dem vergleichsweise naturnahen Elbstrom sind die zahlreichen Nebenflüsse, steilen Elbuferhänge und sandigen Binnendünen prägend für die weite Flusslandschaft.

Das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V bei Boizenburg © D. Foitlänger

Biosphärenreservate sind "Modellregionen" für nachhaltige Entwicklung. Sie werden von der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) im Rahmen des Programms "Der Mensch und die Biosphäre (MAB)" ausgewiesen und bilden ein weltweites Netz besonders wertvoller Kulturlandschaften. Anders als in Nationalparken, werden in UNESCO-Biosphärenreservaten keine ursprünglichen Naturlandschaften geschützt, sondern Kulturlandschaften. Der landschaftliche Charakter und ökologische Reichtum von Kulturlandschaften werden durch wirtschaftliche Nutzungen wie Beweidung oder Forstwirtschaft entscheidend beeinflusst.

Markante Kiefer auf der Binnendüne bei Klein Schmölen im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © LerchUlmer
Binnendüne bei Klein Schmölen

Seit dem Jahr 1997  ist der mecklenburgische Teil des länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe Bestandteil dieses weltweiten Netzwerkes von 714 UNESCO-Biosphärenreservaten in 129 Staaten (Stand Dezember 2020). In Deutschland gibt es 18 Biosphärenreservate. 16 davon besitzen die Anerkennung der UNESCO. Diese Gebiete repräsentieren wichtige deutsche Landschaftstypen und sind stellvertretend für die Vielfalt der Lebensräume und die Fauna und Flora hierzulande. Alle zehn Jahre erfolgt eine Überprüfung der UNESCO-Biosphärenreservate. Dadurch soll festgestellt werden, ob sie die internationalen Anforderungen weiterhin erfüllen. Hier lesen Sie mehr zur Evaluierung des UNESCO-Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe.

Das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe steht im Weltnetz der Biosphärenreservate für die Lebensräume Flusslauf, Auengrünland, Altwässer, sowie angrenzende Laub- und Mischwälder sowie Talsand-, Dünen- und Geestflächen. Weite Überschwemmungsflächen, Brackwasser, ausgedehnte Wiesenlandschaften, Sandufer, Binnendünen und steile Geestkanten prägen die jahrhundertealte Kulturlandschaft.

Alte Weide auf einer Überschwemmungsfläche entlang des Elbstroms im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © B. Fellner
Überschwemmungsflächen entlang des Elbstroms.
Überschwemmungsflächen entlang des Elbstroms.
 Die Binnendüne Klein Schmölen im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © I. Valentin
Die Binnendüne Klein Schmölen.
Die Binnendüne Klein Schmölen.
Ausgedehnte blühende Wiesenfläche mit Kuckuckslichtnelke im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © R. Colell
Blühende Wiesenfläche mit Kuckuckslichtnelke bei Blücher.
Blühende Wiesenfläche mit Kuckuckslichtnelke bei Blücher.
Markanter steiler Elbhang an der Mündung der Sude in die Elbe bei Boizenburg-Vier im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © S. Teuber
Steiler Elbhang an der Mündung der Sude in die Elbe bei Boizenburg.
Steiler Elbhang an der Mündung der Sude in die Elbe bei Boizenburg.
Altwasser mit Teichmummeln im Vorland der Elbe UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V.. © R. Colell
Altwasser mit Teichmummeln im Vorland der Elbe.
Altwasser mit Teichmummeln im Vorland der Elbe.
Sandufer sind typisch für den Elbstrom im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. © D. Foitlänger
Sandufer sind typisch für den Elbstrom.
Sandufer sind typisch für den Elbstrom.
Das Brodarer Brack zwischen Rüterberg und Dömitz im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © A. Hollerbach
Das Brodarer Brack zwischen Rüterberg und Dömitz.
Das Brodarer Brack zwischen Rüterberg und Dömitz.
Kiefernwald auf kuppigen Binnendünen im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © D. Foitlänger
Kiefernwald auf kuppigen Binnendünen.
Kiefernwald auf kuppigen Binnendünen.
Wanderweg durch den herbstlichen Laub- und Mischwälder im Vierwald bei Boizenburg im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V. © D. Foitlänger
Laub- und Mischwälder im Vierwald bei Boizenburg.
Laub- und Mischwälder im Vierwald bei Boizenburg.

Titelseite des Rahmenkonzepts des UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. © Biosphärenreservatsamt
Titelseite des Rahmenkonzepts des UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.

Im Jahr 2006 wurde das Rahmenkonzept für das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe verabschiedet.

Es beinhaltet die Darstellung der gebietsübergreifenden Leitziele, der wertbestimmenden Merkmale und die Zonierungen für das gesamte Gebiet. Basierend auf einer Auswertung länderweise zusammengestellter Grundlagen werden Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der Naturraumausstattung sowie raumrelevanter Aktivitäten aus den Bereichen Regional-, Tourismusentwicklung, Information, Soziales, Kultur, Bildung und Forschung dokumentiert.

 

Das Rahmenkonzept hat gutachtlichen Charakter sowie keinerlei rechtliche Bindung, auch nicht gegenüber Eigentümern und Nutzungsberechtigten. Für die nachhaltige Entwicklung des Biosphärenreservates ist es aber eine unverzichtbare Handlungsrichtlinie. Hier können Sie das Rahmenkonzept für das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe einsehen:   Rahmenkonzept  [pdf 2,8 MB]


Für das Teilgebiet Mecklenburg-Vorpommern wird seit dem Jahr 2020 gemeinsam mit den verschiedensten Beteiligten der Biosphärenplan erarbeitet.

Jedes UNESCO-Biosphärenreservat erfüllt weltweit drei Funktionen:


Schutzfunktion
Ziel ist es, einen Beitrag zum Erhalt der natürlichen Prozesse und der biologischen Vielfalt zu leisten. Negativen Entwicklungen, wie dem rasant fortschreitenden Artensterben, soll entgegengewirkt werden. Im Fokus der Naturschutzarbeit stehen die Bewahrung der Landschaft und ihrer Ökosystemfunktionen, die Sicherung der genetischen Ressourcen und die Vielfalt der Ökosysteme. Außerdem geht es um die nachhaltige Nutzung der zur Verfügung stehenden Naturgüter wie Wasser, Boden und Luft.


Entwicklungsfunktion
Mit der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung sollen die gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen in der Region gefördert werden. Dazu gehören der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und eine naturnahe und standortgerechte Bewirtschaftung der Landschaft. Biosphärenreservate bieten als Modellregionen die Möglichkeit neue Wege zu gehen, innovative umweltfreundliche Technologien zu erproben und nachhaltige Landnutzungsformen zu entwickeln.


Logistische Unterstützung
Die Wechselwirkung von wirtschaftlicher Nutzung und der Entwicklung von naturnahen Lebensräumen ist wichtig für Forschung und Bildung. Durch Monitoring sollen die Auswirkungen anthropogener Einflüsse auf repräsentative Ökosystemtypen erforscht werden. Biosphärenreservate verstehen sich als Bildungsorte. Den Menschen in der Region bietet dies die Möglichkeit einer aktiven Mitgestaltung der Modellregion Biosphärenreservat.

Schutzzonen eines Biosphärenreservates © Deutsche UNESCO-Kommission
Schutzzonen eines Biosphärenreservates (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

Die Entwicklungszone umfasst 36.677 ha (79,57 %) der Fläche des Biosphärenreservates. Sie ist der Wirtschafts- und Erholungsraum, in dem eine umweltverträgliche Regionalentwicklung im Vordergrund steht und  die Siedlungsbereiche mit eingeschlossen sind.


Die Pflegezone umfasst 7.922 ha (17,19 %) der Fläche des Biosphärenreservates. Sie schützt besonders wertvolle Bereiche der Kulturlandschaft mit ihren einzigartigen Tier- und Pflanzenarten, die durch schonende Landnutzung erhalten bzw. entwickelt werden sollen.


Die Kernzone umfasst 1.493 ha (3,24 %) der Fläche des Biosphärenreservates. Die besonders sensible Kerrnzone besteht aus zwei Teilbereichen: dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen (1.440 ha) und dem Vierwald bei Boizenburg (53 ha). Hier steht die Entwicklung der Natur ohne den Einfluss des Menschens im Vordergrund, hier entsteht Wildnis. (Alle Daten Stand 2020)

Die Aufgaben eines UNESCO-Biosphärenreservates gehen über den Natur-und Umweltschutz hinaus. Ebenso gehören eine nachhaltige Entwicklung der Region sowie Bildung und Forschung zu den Kernaufgaben.

Um die umfangreichen Aufgaben gleichberechtigt wahrnehmen zu können, sind Biosphärenreservate in drei Zonen gegliedert: die Entwicklungszone, die Pflegezone und die Kernzone. Die Aufgaben des Naturschutzes werden vorrangig in der Pflegezone und der Kernzone wahrgenommen, während sich die nachhaltige Regionalentwicklung auf die Entwicklungszone konzentriert. Forschung und Monitoring sowie Bildung finden in allen drei Zonen statt.

Biosphärenreservatsidee konkret - Umsetzung im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V

Rotbauchunke schwimmt rufend im Wasser. Dabei blähen sich die Männchen weit auf. © S. Jansen
Beim Rufen blähen sich die Männchen der Rotbauchunke weit auf.

Natur- und Umweltschutz

Entsprechend der Zonierung des Biosphärenreservates und der europäischen Schutzgebietskategorien (Gebiet gemeinschaftlicher Bedeutung und Vogelschutzgebiet) konzentrieren sich die Projekte auf die Bereiche Renaturierungsvorhaben sowie Biotop- und Artenschutz.

Durch das Projekt "Wiederherstellung von Lebensräumen für die Rotbauchunke im Festungsgraben Dömitz" werden die Laichgewässer der europaweit streng geschützten Unken-Art erhalten und verbessert. Der Festungsgraben ist mittlerweile das einzige Gewässer im mecklenburgischen Teil des Unterlaufs der Elbe, in dem sich die Rotbauchunke regelmäßig fortpflanzt und somit ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den Unken-Populationen im länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.

In unserer Zeitschrift Biosphärenreservat aktuell halten wir Sie über aktuelle Naturschutzprojekte auf dem Laufenden.

Auswahl verschiedenster Produkte der Partner des Biosphaerenreservates Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern © C. Goepel
Auswahl verschiedenster Produkte der Partner des Biosphaerenreservates

Entwicklung der Region

Biosphärenreservate verstehen sich als Modellregionen, in denen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Bewahrung der natürlichen Ressourcen und der wirtschaftlichen Nutzung und Entwicklung erprobt wird. Umwelt- und Naturschutz wird dabei als Entwicklungschance für die Region verstanden. Denn eine intakte Natur- und Kulturlandschaft wird immer mehr zu einem knappen Gut, aus dem sich auch wirtschaftliche Werte schöpfen lassen.

Durch verschiedene Projekte, wie z.B. Partner des Biosphärenreservates oder "Biosphären-Regale", unterstützt das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe die hier lebenden Menschen und ansässigen Betriebe beim Aufbau eines naturverträglichen Tourismus, von wirtschaftlich tragfähigen Strukturen und von regionalen Wirtschaftskreisläufen. Ihre Angebote stehen für Qualität, Umweltfreundlichkeit und Regionalität.

Junior Ranger auf einer Wiese mit Büchern und Lupengläsern. © N. Luckner
Junior-Ranger in Aktion, beim Geo-Tag der Artenvielfalt.

Bildung

Bildung gehört zu den Kernaufgaben eines UNESCO-Biosphärenreservates. Ziel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen. Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V wird deshalb langfristigen Bildungsprojekten eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So betreuen die Rangerinnen und Ranger mehrere Junior-Ranger-Gruppen, in denen Kinder und Jugendliche die Natur vor ihrer Haustür, ökologische Zusammenhänge sowie ihre eigenen Möglichkeiten zur Einflussnahme kennenlernen. Es bestehen außerdem langfristige Kooperationen mit Schulen und Kindergärten oder auch Bachpatenschaften, in denen Kindergruppen die Patenschaft über ein Gewässer ihres Heimatortes übernehmen. Hier erhalten Sie weitere Informationen zu unseren Bildungsangeboten, ebenso im Vertiefenden Bericht: Bildung für nachhaltige Entwicklung  [pdf 9,2 MB]. 

Weitere Informationen zu UNESCO-Biosphärenreservaten erhalten Sie auf den folgenden Seiten:

Deutsche UNESCO-Kommission

Bundesamt für Naturschutz

Nationale Naturlandschaften