Lebensräume

Naturräumlich ist das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe der Großlandschaft des „Norddeutschen Tieflands“ zuzuordnen. Der mecklenburgische Gebietsteil erstreckt sich dabei nicht nur über die Haupteinheit der eigentlichen „Elbtalniederung“, zu der der Flusslauf, die Auen, Altarme, das Auengrünland und vor allem die ausgedehnten Niederungen der Nebenflüsse Sude, Schaale, Krainke, Röcknitz, Löcknitz und Elde gehören. Nördlich der „Elbtalniederung“ grenzt das „Südwestliche Vorland der mecklenburgischen Seenplatte“ an.
Landschaftsprägend sind hier die Binnendünengebiete, die saalezeitlichen Hochflächen und die „eingebetteten“ Niederungen der Elbnebenflüsse, die durch den Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser der Elbe maßgeblich geprägt werden.

 

Entstanden ist diese abwechslungsreiche Flusslandschaft durch das Aufeinanderfolgen mehrerer Eiszeiten. Zeugen aus dieser Zeit sind der Rüterberg in der Nähe von Dömitz und der Vierwald bei Boizenburg/Elbe.

Bei Hochwasser reicht die Elbe noch heute bis an die ungedeichten steilen Hänge des Vierwaldes
Bei Hochwasser reicht die Elbe noch heute bis an die ungedeichten steilen Hänge des Vierwaldes

Obwohl die Gletscher der Weichselkaltzeit (vor 50.000 - 12.000 Jahren) nicht mehr bis in unser Gebiet vorstießen, prägte die letzte Eiszeit das mecklenburgische Elbetal ganz entscheidend. Die gewaltigen Mengen Schmelzwasser der abtauenden Gletscher formten die Altmoränenlandschaft der Saaleeiszeit um - ganze Hügel wurden fortgespült. In Kerbtälern flossen die Schmelzwässer ab und lagerten riesige Mengen Sand und Schutt im bis zu 20 km breiten Urstromtal ab, in dem heute noch die Elbe fließt.

Winterliches Kerbtal im NSG „Elbhang-Vierwald“ bei Boizenburg
Winterliches Kerbtal im NSG „Elbhang-Vierwald“ bei Boizenburg

Nach der Eiszeit eroberten langsam Moose und Flechten das karge Land. Lange noch blieb viel Sandboden vegetationsfrei. Diese Sandflächen konnten vom Wind geformt werden. So entstanden Binnendünen bei Boizenburg und Dömitz, die bis zu 28 m über die Talaue hinausragen. Bei Klein Schmölen liegt mit ca. 45 m üNN die größte Binnendüne des Biosphärenreservates, die noch heute vegetationslose Flächen aufweist. Hier wird bei starkem Wind der Sand verlagert; die Düne als gesamtes wandert jedoch nicht mehr.

Eine Besonderheit im Biosphärenrerservat ist die enge Verzahnung der besonders schützenswerten Trockenbiotope mit Feuchtgebieten auf engstem Raum. Gute Beispiele dafür sind in den Naturschutzgebieten "Elbtaldünen bei Klein Schmölen" und "Löcknitztal Altlauf" sowie im Naturschutzgebiet „Elbhang-Vierwald" zu finden

Bei Hochwasser werden die Wiesen unterhalb der Elbtaldünen oft von dem Altlauf der Löcknitz überflutet.
Bei Hochwasser werden die Wiesen unterhalb der Elbtaldünen oft von dem Altlauf der Löcknitz überflutet.

Bemerkenswert ist auch, dass innerhalb der Naturschutzgebiete über zwei Drittel von verschiedenen Feuchtbiotopen eingenommen werden. Dazu zählen z.B. Reste natürlicher Weichholzauen, Schlammlingsfluren, Flutrinnen, Bracks, Altarme, Überschwemmungsflächen, Qualmwasserbereiche und Feuchtgrünländer.

Entlang der Sude finden sich viele Bracks, Weichholzauen, Feuchtgrünländer und Altarme
Entlang der Sude finden sich viele Bracks, Weichholzauen, Feuchtgrünländer und Altarme

Nicht nur in den Wintermonaten tritt die Elbe bei Hochwasser regelmäßig über die Ufer. Dann erreicht sie zwischen den Deichen eine Breite von bis zu zwei Kilometern. Dabei werden zum Beispiel Altarme und Auen überflutet. Eine elbetypische Besonderheit stellt die binnendeichs nach Hochwasser auftretende Qualmwasserzone dar. Als Qualmwasser bezeichnet man die Wassermengen, die durch den sandigen Untergrund der Deiche hindurch treten und in Mulden und Senken vorübergehende Kleingewässer bilden. Diese können dann aufgrund ihrer Nährstoffarmut von spezialisierten Tiergruppen wie den Blattfußkrebsen und gefährdeten Amphibienarten besiedelt werden.

Qualmwasser zwischen Elbedeich und Festung Dömitz
Qualmwasser zwischen Elbedeich und Festung Dömitz

Die Elbe ist ein nährstoffreiches Fliessgewässer mit hoher Schwebstofffracht und geringen Sichttiefen. Infolge der starken Wasserstandsschwankungen nimmt der Uferbereich an der Elbe eine relativ große Fläche ein. Hier bilden sich interessante Vegetationskomplexe mit Uferpionier- und Uferstaudenfluren, Röhrichten, Flutrasen und Weichholzauen-Gehölzen, die Lebensraum der typischen und zum Teil gefährdeten Stromtalpflanzen sind. Die Uferbereiche mit Uferpionierfluren aus Strandlings- und Zwergbinsengesellschaften auf Kies- und Sandbänken sowie auf Schlammflächen sind dem FFH-Lebensraumtyp 3270 (Flüsse mit Schlammbänken mit Vegetation des Chenopodion rubri p.p. und des Bidention p.p.) zuzuordnen.

Die flach überschwemmten Bereiche sind wichtige Kinderstuben für Fische und Amphibien. Nach dem Rückgang des Wassers bieten dann ausgedehnte Sandflächen und die Schlickablagerungen in den Buhnenfeldern reiche Nahrungsquellen für Limikolen.

Fast unberührte Schlickablagerungen im Buhnenbereich
Fast unberührte Schlickablagerungen im Buhnenbereich

Aufgrund der Strukturvielfalt und der zahlreichen Lebensräume mit zum Teil extremen Lebensbedingungen für Flora und Fauna, findet sich im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-MV neben den stromtaltypischen Pflanzen und Tieren ein insgesamt großer Artenreichtum mit z.T. beachtlichen Populationsgrößen.