Die Elbaue zwischen Boizenburg/Elbe und Dömitz - Teil des „Grünen Bandes“

Vom Eisernen Vorhang zur Lebenslinie: Das Grüne Band

Karte: Das grüne Band in Deutschland
Karte: Das grüne Band in Deutschland (Quelle: wikipedia.org)

Der "Eiserne Vorhang", der Europa vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer fast vier Jahrzehnte teilte, war eine politische, ideologische und räumliche Barriere. Die 12.500 km des einstigen Eisernen Vorhangs wurden zu einem einzigartigen europäischen Biotopverbund mit zahlreichen wertvollen naturnahen Lebensräume und zur Lebenslinie „Grünes Band“.

Das Grüne Band ist heute Nationales Naturerbe und lebendiges Symbol der Überwindung der einstigen Teilung Deutschlands. Mit dem Fall der Mauer 1989 entstand das längste Biotopverbundsystem Deutschlands mit 1.393 km Länge. Der besondere Wert des Grünen Bandes liegt vor allem in der engen Verzahnung der verschiedenen Biotope. Über 600 bedrohte Arten konnten sich ins Grüne Band retten. 150 Naturschutzgebiete liegen im oder grenzen an das Grüne Band.

Die Elbe - Teil der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Während die Elbe von Schnackenburg bis kurz vor Lauenburg früher die Menschen trennte, dient sie nun als Symbol für das Zusammenwachsen Deutschlands. Anfangs entlang des Flusses nur mit Stacheldrahtverhauen gesichert, wurde der Grenzbereich im Laufe der Zeit immer umfangreicher ausgebaut und mit zusätzlichen Grenzzäunen, Spurensicherungsstreifen sowie Stolperdrähten versehen. Das „Sperrgebiet“ war unterteilt in eine bewachte „5-km-Sperrzone“ mit besonderen Regelungen und einen bis zu 500 m breiten „Schutzstreifen“, der bis an die Grenze reichte. Beide Bereiche waren nur mit entsprechenden Genehmigungen zu betreten.

Gut 1,5 km Luftlinie von hier befand sich von 1973 bis 1990 die Transitkontrollstelle der DDR zur Überwachung des Autoverkehrs in Richtung Grenze und in das Grenzsperrgebiet. Am ehemaligen Kontrollpunkt Boizenburg-Vier kann man heutzutage in die Gaststätte „Checkpoint Harry“ einkehren. Rund um den Kontrollturm dokumentiert eine Ausstellung des Elbberg-Museums die Geschichte der innerdeutschen Grenze im Kreis Hagenow. Eine Toninstallation im zugänglichen Kontrollturm Vier verweist auf die Themen Leben im Sperrgebiet, Flucht und Zwangsaussiedlung.

Natur, Kultur und Geschichte an der Elbe

Jahrzehntelang vom Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze zerteilt, ist die Elbe einer der letzten naturnahen Ströme. Sie gibt der Region ihren ureigenen Rhythmus, formt mit ihren wechselnden Wasserständen die Auen und schafft dort einzigartige Naturparadiese und -erlebnisse zu allen Jahre szeiten. Das Grüne Band erlebbar zu machen und dabei wertvolle Natur zu schützen, ist das Ziel des Projektes „Erlebnis Grünes Band“. Damit die Besonderheiten entlang der ehemaligen Grenze auffindbar sind, wurden auch in der mecklenburgischen Region „Grenzerfahrungspunkte“ am Grünen Band ausgeschildert. Sie weisen z.B. in der Dorfrepublik Rüterberg auf deren besondere Lage im ehemaligen Grenzgebiet, das Museum und das Mahnmal, den alten Grenz- sowie den neuen Aussichtsturm hin. Neu ist auch der über 190 km lange „Vier-Länder-Grenzradweg“, der von Rüterberg weiter nach Dömitz in die Altmark, ins Wendland und über Hitzacker zurückführt. Angeboten werden außerdem thematische Rad- und Wanderführungen, Projektwochen für Kinder und Jugendliche, Ausstellungen sowie "Tage der Grenzerfahrungen".